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Brain Fog. Fatigue. Nur nach Covid19?


Brain Fog. Fatigue. Nur nach Covid 19?

Brain Fog. Gehirnnebel.

Schon gegoogelt? Dann haben Sie bemerkt, dass Sie unzählige Treffer erhalten. Ich rate Ihnen, nicht auf Dr.Google zurückzugreifen – und auch keine Zweitmeinung bei Dr.Yahoo einzuholen.

Schauen Sie doch mal auf eine sehr verlässliche Seite, wie jene des National Health Service (NHS). Hier findet sich unter „Brain Fog“...“Keine Ergebnisse gefunden“. Also gibt es dieses Phänomen gar nicht? Ein Phänomen, unter dem aber sehr viele meiner Patient*innen leiden.

Was hat es nun damit auf sich?

Brain Fog – ein Begriff, der eher unscharf klingt. Doch dahinter verbirgt sich weit mehr als diese vage Bezeichnung. Gemeint sind damit Störungen der exekutiven Funktionen – also jener Fähigkeiten, zu denen Konzentration, das Behalten von Informationen und das Ausblenden von Ablenkungen zählen. Bei Versagen dieser grundlegenden Fähigkeiten ist es den Betroffenen oftmals nicht mehr möglich, ihren Alltag zu bewältigen.

Brain Fog wird aktuell in einem Atemzug mit einer durchgemachten Covid19-Infektion genannt. Ist es also eine neue Erkrankung? Nein. Auch können psychische Belastungen Auslöser dafür sein, aber auch Depressionen, Stress, Schlafentzug oder Angstzustände. Eines ist allen Betroffenen gemein: Sie haben einen sehr hohen Leidensdruck.

Brain Fog ist ein ernstzunehmender Zustand, bei dem die Leistung des Gehirns stark abfallen kann. Es fällt den Betroffenen oftmals sehr schwer, ihre Befindlichkeit in Worte zu fassen. Und so passiert es häufig, dass sie nicht ernst genommen werden. Denn alles ist ein wenig undurchsichtig. Eben vernebelt.

Was kann die Neuropsychologie beitragen?

Auch wenn Brain Fog bislang keine offizielle Diagnose ist, so stehen der Neuropsychologie standardisierte Testverfahren zur Verfügung, um den Grad der Beeinträchtigung zu objektivieren. Sodass die "nebulösen" Zustände einen Namen bekommen und daraus Empfehlungen und Hilfe für den Alltag abgeleitet werden können.

 

Apropos. Was haben Sie heute schon für IHRE Gehirngesundheit getan?

Ich vermute mal, dass die Beschäftigung mit der Gesundheit Ihres Gehirns nicht gerade zu Ihrer täglichen Routine zählt. Damit sind Sie nicht alleine. Dabei wäre dies so wichtig. Ohne Gehirn ist alles nichts! Es ist immer für uns da. 24 Stunden. Tag und Nacht. Da hat es doch das Gehirn verdient, dass wir es pflegen. Wie unsere Zähne, unsere Haut...

Wir wissen heute aus zahlreichen Studien, dass es Aktivitäten und Dinge gibt, die unser Gehirn stärken. Dazu zählen guter Schlaf, gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, die Neugierde für Unbekanntes. Achten wir darauf, dann ist unser Gehirn in einem besseren Zustand. Und auch resilienter bei Herausforderungen. Denn ein gesundes Gehirn kann auch, wenn es gefordert wird, weiterhin seine Leistungsfähigkeit aufrechterhalten.

 

Neben Brain Fog hat sich auch ein anderes Wort im Laufe der Pandemie etabliert:

Fatigue [fa·tig]

Damit meint man eine signifikante Müdigkeit, erschöpfte Kraftreserven oder ein erhöhtes Ruhebedürfnis. Auch wird von einer Belastungsintoleranz gesprochen. Wobei die Wörter „Fatigue“ und „Belastungsintoleranz“ oft synonym verwendet werden. Was jedoch nicht korrekt ist.

Liegt eine Belastungsintoleranz vor, dann führt eine Aktivität grundsätzlich zu einer Symptomverschlechterung, was bei einer Fatigue nicht immer der Fall ist. Also, eine Fatigue verschlechtert sich bei Aktivität nicht zwingend. Beiden gemeinsam ist, dass der Alltag grundsätzlich schwer bewältigt werden kann.

Es gibt bislang keinen etablierten Verhaltens- oder Biomarker. Auch werden diese Symptome oftmals in Zusammenhang mit einer Covid19-Erkrankung genannt. Wobei Fatigue auch eine Begleiterscheinung bei chronischen Erkrankungen wie Krebs, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, rheumatoide Arthritis oder HIV/Aids sein kann.

Fatigue ist ein multifaktorielles Geschehen. Diskutiert werden in Studien Veränderungen im Hormonhaushalt, Fehlregulationen des Immunsystems und entzündliche Prozesse.

Wie kann die Neuropsychologie bei Fatigue helfen?

Im Rahmen neuropsychologischer Diagnostik steht auch dafür ein objektvierbares Instrument zur Verfügung, um den Grad der Fatigue zu erheben. In der nachfolgenden Therapie spielt der Lebensstil eine wichtige Rolle. Regelmäßige Bewegung (die nicht an oder über die Leistungsgrenze geht), ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und das Bewusstsein für mentale Gesundheit können zu einer Linderung der Symptome beitragen. Breit diskutiert werden aktuell auch Mikronährstoffe (Nahrungsergänzungsmittel nach Rücksprache mit einem Arzt mit Zusatzausbildung in orthomolekularer Medizin).

Psychotherapie bringt selten den gewünschten Effekt (Studien liegen hauptsächlich zur kognitiven Verhaltenstherapie vor), da es um keine Aufarbeitung von Konflikten im klassischen Sinne geht. Hilfreich sind das Erlernen von Bewältigungsstrategien und Gespräche zur emotionalen Entlastung.

 

Sowohl bei Brain Fog als auch bei Fatigue kann die Neuropsychologie diese unsichtbaren Krankheits­begleiter sichtbar machen. Geduld mit der Situation und Konsequenz im notwendigen Lebensstil sind wirkungsvolle Stellschrauben, um wieder zu einer zufriedenstellenden geistigen und körperlichen Fitness zu gelangen.

Die Geschwindigkeit der Erholung hängt zum einen von der Einsicht in die Krankheitsfolgen, zum anderen von der Fähigkeit ab, achtsam und wohlwollend mit den Rückmeldungen des Gehirns und des Körpers umzugehen.

 

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